Debatten-Vorstoß zur Sportförderung

06.07.2013 / Link

In einem Gastbeitrag bei ZEIT-Online schlägt der Philosoph Gunter Gebauer ein einfaches Konzept vor, um Sportler stärker an den Gewinnen der Sport-Industrie zu beteiligen - eine Art Verwertungsgesellschaft Sport nach dem Modell von VG Wort und VG Bild. Sie würde Sportler unabhängig von staatlichen Steuergeldern machen - und der Staat könnte den Repräsentanzgedanken einmotten, der ihn ideologisch auf eine Stufe mit imagesüchtigen Potentanten stellt. Wen die Gedanken von Gebauer freuen oder ärgern, der hat am Dienstag die Gelegenheit, ihn bei einer Podiumsdiskussion in Berlin mit Fragen zu konfrontieren.

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Neue Transparenz – neue Kontroversen

25.06.2013 / Link

Der DOSB veröffentlicht die Zielvereinbarungen für Sotschi und Rio – und steht offenbar unter mehr Druck als er zugibt

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich offenbar entschlossen, künftig seine Vorschläge für die Verteilung staatlicher Sportfördermittel offenzulegen. Und er hat erstmals die Verbände selbst mitreden lassen, als es um die Verteilung  zusätzlicher Projektmittel für den nächsten Olympiazyklus ging.


Allerdings haben laut Medienberichten manche Verbände diesen Vereinbarungen nur zugestimmt, weil sie aufgrund laufender Ausgaben sonst Finanznöte befürchteten. Und es soll sich eine Gruppe formiert haben, die viel grundsätzlicher als bisher die Rolle des DOSB bei der Verteilung staatlicher Fördermittel in Frage stellt.

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Die Zielvorgaben für die Winterspiele in Sotschi 2014

20.06.2013 / Link

Ein gutes halbes Jahr ist es noch bis zu den Winterspielen in Sotschi, der deutsche Sport will dort die Nummer eins bleiben. Dafür sollen 40 Medaillen her, 17 davon in Gold. Die Zahlen sind seit vergangenem Sommer bekannt, am Montag will der Deutsche Olympische Sportbund auch die Vereinbarungen selbst offen legen. Wir publizieren die kompletten Dokumente bereits heute, kommende Woche kann dann verglichen werden.

In Frankfurt wird der DOSB am Montag die Zielvereinbarungen und Projekte für Rio 2016 vorstellen. Außerdem möchte DOSB-Generadirektor Michael Vesper "bei dieser Gelegenheit auch über die Zielstellungen für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 unterrichten". Die Zielstellungen im engsten Wortsinn sind längst bekannt. Sie lauten für die Verbände wie folgt:

Bob- und Schlittensport: zwölf Medaillen, sechs Gold
Curling: zwei Medaillen, eine Gold
Eishockey: ohne Medaillenziel
Eisschnelllauf: fünf Medaillen, zwei Gold
Eislauf: eine Medaille, keine Gold
Skisport: 17 Medaillen, sieben Gold
Snowboard: drei Medaillen, eine Gold

Wie viel veröffentlicht der DOSB?
Wir sind gespannt, ob es über die bekannten Zahlen hinaus substantielle Informationen vom DOSB geben wird – wie transparent die Vereinbarungen für 2014 also tatsächlich gemacht werden. Unserer Ansicht nach müsste jede Zahlung aus Steuergeld öffentlich gemacht werden. Damit es einen Vergleich gibt, veröffentlichen wir hier die Zielvereinbarungen für 2014, die uns vom Bundesministerium des Inneren zur Verfügung gestellt worden sind.

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Die Dokumente zur deutschen Sportförderung

13.06.2013 / Link

Seit fünf Jahren wird darum gestritten, ob die Zielvereinbarungen des deutschen Sports öffentlich werden sollen. Wir stellen die Dokumente und viele weitere Akten zur deutschen Sportförderung jetzt hier zur Verfügung.

Nach welchen Kriterien fließen jedes Jahr hunderte Millionen Euro Steuergeld in die Hatz nach deutschen Medaillen? Um das transparenter zu machen, hatten wir bereits im Mai 2011 eine Veröffentlichung zahlreicher Dokumente auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes beantragt. Dieses Gesetz erlaubt jedem Bürger, Einsicht in die Akten der Behörden zu nehmen.

Zu den Olympischen Spielen in London hatten wir mit einer Auskunftsklage gegen das Bundesministerium des Innern die Medaillenvorgaben der deutschen Sportler aufgedeckt: 86 Stück sollten die Athleten mit nach Hause bringen, 44 Medaillen waren es am Ende. Die Dokumente über die Hintergründe der Sportförderung hat das Ministerium zum Teil erst weit nach den Olympischen Spielen von London freigegeben. Auf www.allesfuergold.de werden wir diese nun nach und nach veröffentlichen.

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Zwei Generationen von Zielvereinbarungen

12.06.2013 / Link

Die Zielvereinbarungen für die Olympischen Spiele 2012 waren Anlass für Streit: zwischen Verbänden, Ministerium, DOSB und Öffentlichkeit. Kein Verband wusste, wie der andere behandelt wurde. Eine Durchsicht der Dokumente zeigt große Unterschiede bei der Professionalität und den Bemühungen der Verbände. Der DOSB hat reagiert – die Zielvereinbarungen für die nächsten Olympischen Spiele sollen transparenter sein und entstanden offenbar in konstruktiver Atmosphäre.

Jedes Jahr fließen hunderte Millionen Euro in den deutschen Sport – sie sind gedacht für die möglichst planvolle Produktion olympischer Medaillen. Die Kriterien, nach denen das Steuergeld verteilt wird, lassen sich nur teilweise nachvollziehen. Seit Jahren schon streiten Sportpolitiker und Verbandschefs mit Beamten im Bundesministerium des Innern (BMI) und Funktionären des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) deshalb darüber, ob mehr Transparenz die Verteilung von Steuergeld gerechter machen würde – Zank gab es vor allem um rund zehn Millionen Euro jährliche Projektmittel, deren Verteilung über so genannte Zielvereinbarungen zwischen dem DOSB und den einzelnen Sportverbänden geregelt wurde.

Jetzt hat der deutsche Sport die nächste Generation der umstrittenen Dokumente aufgesetzt – und scheint umzudenken. Der Deutsche Olympische Sportbund hat die Sportverbände am vergangenen Wochenende erstmals in die Entscheidung mit einbezogen, wie Projektmittel in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro auf die einzelnen Verbände verteilt werden.

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Klage gegen das Bundesinnenministerium

11.06.2013 / Link

Wir werden das Bundesministerium des Innern verklagen: Gemeinsam mit dem Deutschen Journalistenverband haben wir Widerspruch gegen die Kosten für unsere Einsicht in die Akten der deutschen Sportförderung eingelegt. Das Ministerium hatte die Kosten extrem in die Höhe getrieben, am Ende bezahlten wir 14.952,20 Euro. Unserer Ansicht nach verstößt das gegen das Informationsfreiheitsgesetz.

Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) soll allen Bürgern die Möglichkeit geben, in Akten von Behörden Einsicht zu nehmen. Das Recht gibt es in Deutschland seit sieben Jahren, es soll auch dazu beitragen, die Politikverdrossenheit zu senken. Bürger können sich informieren und damit besser am politischen Prozess beteiligen. Durch die Transparenz kann auch die Effizienz von Behörden steigen. Im Gesetz steht, dass die Behörde für die Einsicht eine Gebühr verlangen kann. Diese Gebühr sollte jedoch angemessen sein.

Normalerweise können für einen Antrag bis zu 500 Euro Gebühren verlangt werden, hinzu kommen noch Auslagen für Kopien aus Akten. Das Bundesinnenministerium umging die 500-Euro-Grenze in unserem Fall, indem es unseren Antrag mit 66 Bescheiden beantwortete. Wir hatten dem Ministerium bereits zu Beginn mehrfach erläutert, dass wir das nicht für rechtmäßig halten. Das Ministerium sah das anders. Wir haben daraufhin jedem der 66 Bescheide im vergangenen Jahr offiziell widersprochen. Nachdem alle Bescheide eingegangen waren, haben wir nun gemeinsam mit dem Deutschen Journalistenverband einen Schriftsatz aufgesetzt. Diesen haben wir dem Ministerium vor einigen Tagen zugeschickt.

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Die Medaillen-Logik: Je übertriebener, desto besser?

10.06.2013 / Link

Wer ein erfolgreicher Sportler werden will, der muss sich hohe Ziele stecken. Wer ein erfolgreicher Sportfunktionär werden will, der muss noch mehr: Er muss übertriebene Ziele stecken. Und während der Sportler alles daran setzen muss, seine Ziele auch zu erreichen, ist das beim Funktionär nicht gar so wichtig. Zu diesem Schluss kommen der Saarbrücker Sportökonom Eike Emrich und sein Doktorand Christian Rullang.

Die beiden Wissenschaftler haben dafür – Monate nach den olympischen Spielen von London – die Zielvereinbarungen herangezogen, die der Deutsche Olympische Sportbund 2008 mit seinen Fachverbänden abschloss. Und den Medaillenspiegel von London. Denn der ist bekanntlich das Maß aller Dinge nicht nur für Sportler. Er hilft auch, wenn man erfolgreiche Sportfunktionäre von Versagern unterscheiden will.

Während der Olympischen Spiele in London im August 2012 hatten wir gegen Innenminister Hans-Peter Friedrich geklagt, damit dieser die geheimen Medaillenvorgaben für deutsche Sportler offenlegen muss. Das Verwaltungsgericht Berlin urteilte für uns. Die Medaillenziele, die Förderung und die tatsächlichen Erfolge haben sich Emrich und Rullang in der Folge genau angeschaut. Sie fragten sich: Hat ein Verband mehr Medaillen gewonnen, wenn er mehr Projektmittel bekommen hatte? Oder war es andersherum: bekam er mehr Projektmittel, wenn er vorab mehr Medaillen versprach?

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Beachvolleyball statt Halle: Umlenken an den Strand?

09.06.2013 / Link

Vital Heynen ist sauer auf den deutschen Olympischen Sportbund. Der Belgier ist seit Frühjahr 2012 Bundestrainer der Volleyball-Herren. Als sein Team mit Platz fünf von Olympia aus London zurückkehrte, war Heynen stolz: Seit 40 Jahren, seit Olympia 1972 in München, hatte kein deutsches Team mehr besser abgeschnitten. Entsprechend gut gelaunt fuhr Heynen drei Monate später zur Bundestrainer-Konferenz nach Leipzig – und kam frustriert zurück.

“Wir Volleyballer sind für unsere Leistung schlecht gemacht worden. Unsere Ausbeute ist zum Beispiel mit den Leistungen der Schützen verglichen worden, dabei haben die viel mehr Disziplinen, viel mehr Chancen auf gute Platzierungen”, sagt Heynen. “Wenn jede Medaille gleich viel zählt, dann brauchen wir die Mannschaftssportarten gar nicht mehr fördern.” Heynen begreift nicht, wieso zwölf fünfte Plätze in einer weltweit umkämpften Sportart weniger wert sein sollen als die Bronzemedaille eines Individualisten in einer Nischendisziplin.

Was Heynen außerdem ärgert: In der alten Zielvereinbarung der Volleyballer wird eine “deutlichere Lenkung von Spielerinnen und Spielern mit Medaillenpotential vom Hallen- in den Beach-Bereich” festgeschrieben. Das klingt nach einer Verschiebung von einer kostenintensiven zu einer vermeintlich kostenarmen Sparte – von den großen Hallenteams zu den kleinen Beach-Duos. Kurzfristig könnte das bedeuten: Mehr Medaillenchancen für weniger Steuergeld. Langfristig ist es wohl eine Milchmädchenrechnung – weil alle erfolgreichen Beachvolleyballer irgendwann in der Halle ausgebildet wurden.

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